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Mittwoch, 1. April 2026

Narzissmus - Selbstverliebt bis in den Wahnsinn

Definition: Was versteht man unter Narzissmus?
Im Alltag wird Narzissmus häufig mit Selbstverliebtheit gleichgesetzt. Der Begriff geht auf eine antike Erzählung zurück: Ein junger Mann verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild und verliert sich vollständig in dieser Faszination. Dieses Bild prägt bis heute die Vorstellung vom Narzissten als jemand, der ausschließlich sich selbst bewundert.

Psychologische Perspektive auf Narzissmus
In der Psychologie reicht diese vereinfachte Vorstellung jedoch nicht aus. Menschen mit narzisstischen Zügen begnügen sich nicht mit Selbstbewunderung – sie streben aktiv nach Anerkennung von außen. Oft wirken sie zunächst beeindruckend: selbstsicher, charismatisch, zielstrebig und überzeugend. Sie sehen sich selbst häufig als besonders talentiert oder überlegen.

Mit der Zeit zeigen sich jedoch auch problematische Seiten. Dazu gehören starkes Eigeninteresse, das Ausnutzen anderer oder ein übersteigertes Bedürfnis nach Kontrolle. Auffällig ist, dass sie durchaus verstehen, wie andere denken und fühlen (kognitive Empathie), diese Fähigkeit jedoch eher strategisch einsetzen. Kritik wird oft schlecht vertragen, und es besteht eine Tendenz zur Selbstüberschätzung.

Aus wissenschaftlicher Sicht umfasst Narzissmus drei zentrale Merkmale:

  • ein Gefühl von Großartigkeit

  • ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung

  • ein Mangel an emotionaler Empathie


Persönlichkeitszug oder Störung?

Narzisstische Anteile bei jedem Menschen
Grundsätzlich trägt jeder Mensch gewisse narzisstische Eigenschaften in sich. Ein gesundes Maß an Selbstvertrauen, Durchsetzungsfähigkeit und Zielorientierung ist sogar hilfreich, um im Leben voranzukommen.

Erst wenn sich diese Eigenschaften stark bündeln und das Verhalten prägen, spricht man von einem bestimmten Persönlichkeitsstil. Dieser kann sowohl Vorteile (z. B. Erfolg im Beruf) als auch Nachteile (z. B. Konflikte mit anderen) mit sich bringen.

Wann wird es problematisch?
Kritisch wird es, wenn diese Muster so stark ausgeprägt sind, dass sie zu dauerhaftem Leid oder erheblichen Problemen im sozialen Umfeld führen. Dann kann eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vorliegen.

Typische Anzeichen für eine solche Störung sind:

  • starkes inneres Leiden

  • hohes Risiko für weitere psychische Probleme

  • Konflikte mit sozialen oder gesellschaftlichen Regeln

Der Übergang von „auffällig“ zu „klinisch relevant“ ist dabei fließend.


Narzissmus in Beziehungen

Narzisstische Menschen können anfangs sehr anziehend wirken. Sie erscheinen spannend, kreativ und selbstbewusst. Gerade zu Beginn einer Beziehung entsteht oft eine starke Faszination.

Im Alltag zeigen sich jedoch häufig Schwierigkeiten:

  • Sie möchten im Mittelpunkt stehen

  • Bedürfnisse des Partners werden vernachlässigt

  • Kritik führt zu Abwehr oder Gegenangriff

  • emotionale Nähe fällt schwer

  • es kann zu Manipulation oder Unehrlichkeit kommen

In extremen Fällen wird der Partner eher als Mittel zum Zweck betrachtet als als eigenständige Person.

Können solche Beziehungen funktionieren?
Ja, unter bestimmten Bedingungen:

  • wenn beide ähnliche Persönlichkeitszüge haben

  • wenn ein Partner eher unsicher ist und die Dominanz akzeptiert

  • wenn klare Grenzen bestehen

Problematisch wird es, wenn Respekt, Wertschätzung und emotionale Sicherheit dauerhaft fehlen.


Narzissmus im Berufsleben

Bestimmte narzisstische Eigenschaften können im Job von Vorteil sein:

  • Durchsetzungsfähigkeit

  • Ehrgeiz

  • Selbstbewusstsein

  • Begeisterungsfähigkeit

Deshalb finden sich narzisstische Persönlichkeiten häufig in Führungspositionen.

Gleichzeitig können sie Schwierigkeiten verursachen:

  • geringe Kritikfähigkeit

  • Überforderung von Mitarbeitenden

  • impulsive oder willkürliche Entscheidungen

Wie erfolgreich jemand mit narzisstischen Zügen ist, hängt stark von weiteren Faktoren wie Intelligenz, emotionaler Stabilität und Umfeld ab.


Ursachen von Narzissmus

Die Entstehung narzisstischer Eigenschaften lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Vielmehr spielen mehrere Faktoren zusammen:

  • genetische Veranlagung

  • frühe Beziehungserfahrungen

  • Erziehungsstil

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze:

  • Übermäßige Bewunderung: Kinder werden stark idealisiert und entwickeln ein überhöhtes Selbstbild

  • Emotionale Vernachlässigung: Ein mangelndes Gefühl von Wertschätzung wird durch Selbstüberhöhung kompensiert

  • Instabiler Selbstwert: Hinter der Fassade steckt oft Unsicherheit und Angst vor Ablehnung

Moderne Forschung geht davon aus, dass sowohl Überbewertung als auch Vernachlässigung zur Entwicklung beitragen können.


Behandlungsmöglichkeiten

Entgegen verbreiteter Annahmen ist Narzissmus behandelbar. Allerdings suchen Betroffene oft erst Hilfe, wenn es zu Krisen kommt – etwa in Beziehungen oder im Beruf.

Wichtige Therapieziele sind:

  • Verständnis für das eigene Verhalten entwickeln

  • Empathiefähigkeit stärken

  • biografische Hintergründe aufarbeiten

  • authentische Beziehungen erleben

Je nach Ausprägung kommen verschiedene Therapieformen infrage, etwa Verhaltenstherapie oder psychodynamische Ansätze.


Formen von Narzissmus

Man unterscheidet zwei Hauptformen:

Grandioser Narzissmus

  • selbstbewusst, dominant, auffällig

  • starkes Bedürfnis nach Bewunderung

Vulnerabler (verdeckter) Narzissmus

  • eher zurückhaltend oder unsicher wirkend

  • innerlich jedoch ähnliche Ansprüche und Selbstbezogenheit

Beide Formen teilen zentrale Merkmale wie:

  • Wunsch nach Anerkennung

  • überhöhtes Selbstbild

  • Anspruch auf Sonderbehandlung


Hat Narzissmus auch positive Seiten?

Nicht jede narzisstische Eigenschaft ist negativ. In moderater Form kann sie hilfreich sein:

  • stärkt Selbstvertrauen

  • fördert Leistungsbereitschaft

  • unterstützt Führungsqualitäten

Entscheidend ist das Gleichgewicht. Problematisch wird es, wenn andere darunter leiden oder ausgenutzt werden.


Narzissmus und Religion

Es gibt auch Überschneidungen zwischen narzisstischen Mustern und religiösen oder spirituellen Vorstellungen:

  • Selbstüberhöhung durch Spiritualität: Betroffene sehen sich als besonders „erleuchtet“

  • Anspruch auf besondere Erkenntnisse

  • Vermeidung persönlicher Probleme durch religiöse Deutungen

  • Manipulation anderer über Glaubenssysteme

In extremen Fällen kann dies in wahnartige Vorstellungen übergehen, etwa wenn sich jemand als auserwählt oder überlegen wahrnimmt.


Fazit

Narzissmus ist ein komplexes Persönlichkeitsmerkmal mit vielen Facetten. Er reicht von gesunden Anteilen, die Selbstvertrauen fördern, bis hin zu schwerwiegenden Störungen, die Beziehungen und das eigene Leben stark belasten können. Entscheidend ist, wie stark die Ausprägung ist – und wie sehr sie das eigene Leben und das Umfeld beeinträchtigt.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Angst – die neue Volkskrankheit

- Nervöse Menschen, die sich plötzlich extre­men Parteien zuwenden.

- Fast ununterbrochener Nachrichtenkonsum via Internet, TV und Radio …

- … oder der komplette Verzicht auf Information.

- Vorsichtige Zukunftsplanungen („… warten wir lieber erst einmal ab …“).

- Gesundheitliche Probleme, verstärkte Neigung zu Medikamenten und Suchtmitteln wie z.B. Alko­hol.

All diese Aspekte sind Zeichen von Angst.

Unsere Welt ist seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine nicht mehr dieselbe. Plötzlich spüren wir, dass der jahrzehntelange Frieden keine Selbstverständlichkeit ist.

An der Spitze der größten Weltmacht befindet sich ein narzisstischer Psychopath, und das Verhal­ten des russischen „Herrschers“ weist ebenfalls ungesunde gefährliche Züge auf.

Man mag sich jetzt natürlich fragen, warum ich Donald Trump noch vor Vladimir Putin genannt habe. Das ist einfach erklärt: Die USA gelten seit Kriegsende als verlässlicher Sicherheitspartner. Deutschland und die gesamte westliche Welt konnten sich auf den amerikanischen Schutz verlas­sen. 

Diese Sicherheitsgarantien gelten nicht mehr. Bei genauer Betrachtung scheint der aktuelle USA-Präsident der russischen Staatsführung näher zu stehen als die früheren (Bündnis-) Partner der Vereinigten Staaten.

Hinzu kommen Unsicherheiten über die eigene private Zukunft. Die Krankenkassenbeiträge sind gestiegen, und die Angst um die Rente wächst. Trotz höherer Lebenshaltungskosten sollen sich Renten und Sozialbezüge vorerst nicht mehr erhöhen oder sogar verringern.

Aus all diesen Gründen entsteht fast eine Art „Endzeit-Stimmung“. Und davon profitieren extreme Parteien! Die AfD zum Beispiel gewinnt Wähler/innen, weil sie eine Art „Schulterschluss“ mit Russ­land sucht. Klingt ja auch logisch, denn wenn man sich mit „Gefährdern“ irgendwie arran­gieren kann, mindert das die Gefahr, von diesen Staaten angegriffen zu werden – oder?

Existenz- und Zukunftsängste schlagen sich auch auf unseren All­tag nieder und färben auf unsere Lebensgewohnheiten ab.

Viele von uns haben eine niedrigere Reizschwelle, kalkulieren vorsichtiger, beginnen Vorräte zu horten und zucken bei jedem unge­wöhnlichen Geräusch am Himmel zusammen.

Nicht wenige stellen plötzlich noch viel mehr in Frage, z.B. die Verlässlichkeit des Partners oder sogar ihre religiöse Überzeugung, getreu dem Motto: Wenn es einen Gott gäbe, würde er all dies doch gar nicht zulassen!“

An bisher sicher Geglaubtes wird gezweifelt – und dadurch entsteht das Gefühl, wie ein Blatt im Winde den äußeren Umständen ausgeliefert zu sein.

+++

Ohne sich in Träumereien oder Illusionen zu verlieren: Ganz klar ist die Gefahr eines Dritten Weltkriegs deutlich gestiegen.

Aber selbst die dümmsten, gierigsten Staatsoberhäupter wissen sehr wohl, dass sie mit zerstörtem Grund und Boden oder sogar nuklearer Verseuchung gar nichts gewinnen würden!

Und innenpolitisch gilt, dass wir immer noch in einem Sozialstaat leben. In einem Land mit einer gesunden Demokratie. Natürlich gibt es den einen oder anderen Mangel. Nicht alles im erwähnten „Sozialstaat“ ist wirklich sozial.

Aber immer noch besser als woanders, denn verhungern muss in Deutschland wirklich keine/r.

Bekämpfung von Angst beginnt mit Information!

Mit den richtigen Informationen natürlich.

Suspekte Kanäle, die von bestimmten Parteien gefüttert werden, haben bereits viel Schaden angerichtet, gerade auch bei jüngeren Leuten.

Trotz mancher Medienkritik ist es am verlässlichsten, sich auf vertraute Nachrichten- und Pressemedien zu verlassen, die mit seriösen Agenturen zusammenarbeiten.

Für ein gutes sicheres Gefühl sorgt eine gesunde Vorsorge. Die Lage evtl. Schutzräume zu kennen, ist auch mit Blick auf Stromausfälle oder Wetterkatastrophen (z.B. Überflutungen oder Stürme) ratsam.

Und ein kleines „Notköfferchen“, in dem sich Wasser sowie sog. Dauerbrot und andere kleine Lebensmittel ebenso verstauen lassen wie der Personalausweis, die Bank- und Krankenkassenkarte.

Allzu viel Info ist ungesund!

Sich stündlich oder noch häufiger auf den neuesten Stand bringen zu wollen, müssen wir uns abgewöhnen. Oft erscheinen Meldungen im Netz, die Panik auslösen können – aber überhaupt nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft worden sind.

Wenn es uns allen gelingt wieder einen klareren Kopf zu bekommen, vermindern sich auch andere Ängste, zum Beispiel im privaten Bereich.

Denn hier gilt das Zauberwort „Vertrauen“ – Misstrauen führt zur Kontrolle, und die schadet jeder Beziehung oder Partnerschaft.

Ein guter Anfang ist es, sämtliche Ängste durch gesunde Vorsicht zu ersetzen.

Unbefangenheit“ lautet das Zauberwort – mit ihr können wir statt einer grauen Brille der Angst wieder bunte Gläser der Zuversicht und Lebensfreude tragen!


Sicherheitsgarantien für die Ukraine - was heißt das eigentlich?

Um es gleich vorweg zu nehmen:

Sicherheitsgarantien bedeuten nicht automatisch einen Kriegseintritt!

 Sie stellen vielmehr ein vielschichtiges politisches und völkerrechtliches Konzept dar, dessen Verbindlichkeit maßgeblich von der konkreten Ausgestaltung der jeweiligen Vereinbarung abhängt. Im Unterschied zu formalen Bündnisverpflichtungen wie dem NATO-Bündnisfall nach Artikel 5 sind Sicherheitsgarantien häufig weniger strikt formuliert und haben oft eher den Charakter politischer Zusagen als den einer rechtlich bindenden militärischen Beistandspflicht. Ein formaler Bündnisfall hingegen verpflichtet die Mitgliedstaaten zur kollektiven Verteidigung, was im Falle eines bewaffneten Angriffs grundsätzlich auch einen Kriegseintritt einschließt, wobei jedes Mitglied selbst über Art und Umfang der ergriffenen Maßnahmen entscheidet.

Ein bekanntes Beispiel für die begrenzte Verbindlichkeit solcher Garantien ist das Budapester Memorandum von 1994. Darin sicherten Russland, die USA und Großbritannien der Ukraine im Gegenzug für ihre atomare Abrüstung Sicherheitszusagen zu. Diese Zusicherungen erwiesen sich jedoch spätestens im Jahr 2022 als praktisch wirkungslos, da sie keine völkerrechtlich bindende Verpflichtung zu militärischem Beistand im Falle eines Angriffs enthielten. Vor diesem Hintergrund zielen die aktuellen Diskussionen über Sicherheitsgarantien für die Ukraine darauf ab, eine glaubwürdige Abschreckung zu schaffen, ohne die NATO unmittelbar in einen Krieg hineinzuziehen. Entsprechend wird die konkrete Ausgestaltung solcher Garantien sorgfältig abgewogen, um einen direkten Kriegseintritt der Garantiemächte zu vermeiden und zugleich militärische Unterstützung sowie politische Rückendeckung zu gewährleisten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Begriff „Sicherheitsgarantien“ ein breites Spektrum abdeckt, das je nach Formulierung und völkerrechtlichem Status von unverbindlichen politischen Zusagen bis hin zu einer verpflichtenden militärischen Beistandspflicht reichen kann. Eine automatische Verpflichtung zum Kriegseintritt ist damit jedoch nicht verbunden, es sei denn, sie ist ausdrücklich und völkerrechtlich bindend festgelegt, wie dies bei formalen Militärbündnissen der Fall ist.

Donnerstag, 29. Mai 2025

Selenskyj und Merz - ein freundschaftlicher Neuanfang?

Am Mittwoch war es soweit: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Berlin besucht, wo er mit Kanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammentraf. Kurz darauf im Kanzleramt gab Selenskyjs Auftritt Symbolträchtiges wieder, hervorgerufen durch technisches Missgeschick. 

Das kam so:

Wolodymyr Selenskyj will seine Rede im Kanzleramt beginnen. Schon kommt es zu einem verwirrenden Moment, denn die Übersetzung fehlt. Keiner kann den ukrainischen Präsidenten verstehen.

Doch Bundeskanzler Merz legt ihm beruhigend die Hand auf den Unterarm und  fragt: „Keine Übersetzung?“ und weist scherzhaft auf die Tücken deutscher Technologie hin: "German technology“ - das Eis ist gebrochen.

Kurz darauf funktionieren die Übersetzungsversuche. 

Es geht weiter mit den ernsten Themen wie hauptsächlich Krieg, Frieden, Partnerschaft. Selbst dann bleibt der Eindruck von Nähe haften. Dies ist das erste persönliche Treffen der beiden im Kanzleramt – und es markiert einen Neuanfang.

Vor wenigen Wochen verabschiedete sich Merz in Kyjiw mit den Worten: „Ruf mich an… jederzeit.“ Unter Olaf Scholz hatte es über ein Jahr gedauert, bis Selenskyj überhaupt empfangen wurde – das Verhältnis war unterkühlt. Jetzt, an Tag 22 von Merz’ Amtszeit, scheint der Ton ein anderer: klarer, wärmer, verbindlicher.

Ein Hauch von Unsicherheit bleibt nach wie vor, denn Merz spricht von uneingeschränkter Unterstützung – doch ist oder wird die deutsche Ukrainepolitik unter ihm wirklich grundlegend anders? 

Diese Frage bleibt.

Gerade auch wegen den gegenüber Deutschland schärfer werdenden Tönen aus Russland.




Freitag, 15. November 2024

Der globale Rechtsruck 2024/ 2025 – Entwicklungen nach den Wahlen in Europa und den USA


In ganz Europa war zu den Wahlen im Sommer eine klare Tendenz nach rechts befürchtet worden. Und die Ergebnisse hatten diese Prognosen bestätigt: 
Rechtsaußenparteien konnten ihren Stimmenanteil aufbauen. Beispielsweise erhöhte die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) ihre Sitzzahl von 69 auf 73. Die Fraktion Identität und Demokratie (ID), die am Ende der offiziellen Legislaturperiode 49 Sitze verlor, verlor jedoch durch den Ausschluss der deutschen AfD, deren zwölf Abgeordnete kurz vor der Wahl wurden ausgeschlossen.

In der neuen Legislaturperiode 2024–2029 fürs Europäische Parlament gibt es nun eine zusätzliche rechte Fraktion: „Patrioten für Europa“ (PfE) mit 84 Sitzen. Neben der PfE und der EKR gibt es außerdem die neue Fraktion „Europa Souveräner Nationen“ (ESN), die 25 Sitze errang. Insgesamt ist nicht nur die Zahl der rechten Fraktionen im Europäischen Parlament gestiegen, sondern auch deren Gesamteinfluss. Obwohl die Rechtsaußenparteien das politische Zentrum des Parlaments weiter nach rechts verschieben, bleibt die grundlegende Balance der politischen Kräfte weitgehend unverändert.

Die Abgrenzung zwischen rechtspopulistischen EU-Skeptikern und extrem rechten Parteien gestaltet sich schwierig, da es oft erhebliche inhaltliche Überschneidungen gibt. Gemeinsame Positionen umfassen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, eine kritische Haltung zur europäischen Integration und strikte Forderungen in der Migrationspolitik
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht alle EU-kritischen Populisten rechtsextremer Ideologien vertreten sind. Ihre Anhängerschaft stammt oft aus der Mittelschicht, die unter wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Druck steht. Besonders in Ländern mit einem traditionell hohen Anteil an Zuwanderern, wie Frankreich und den Niederlanden, könnten populistische Kräfte aktuelle Themen wie Migration und „den Islam“ als Hauptursachen sozialer Konflikte darstellen und damit ihre geplante Politik untermauern. 

Und jetzt der nächste (Wahl-) Schock in den USA!

Unter Trump und seiner radikalisierten Republikanischen Partei treten die USA in eine Ära der autoritären Kontrolle ein, z.B. über die private Lebensführung (Abtreibung!) und die Möglichkeit zur politischen Verfolgung. Und außenpolitisch wird Trump seine Beziehungen zu Autokraten nutzen und favorisieren.

US-Präsident Biden galt als verlässlicher Partner für das transatlantische Bündnis NATO. Dies dürfte jetzt wohl Geschichte sein. Europa ist geschockt; es muss sich neu positionieren.
Statement des neuen NATO-Generalsekretärs Mark Rutte:
"Wir erleben eine steigende Zahl an globalen Herausforderungen. Dazu gehört ein immer aggressiveres Russland, Terrorismus, strategischer Wettbewerb mit China und der zunehmende Zusammenschluss zwischen China, Russland, Nordkorea und dem Iran."
Die Ukraine kommt darin gar nicht vor.

Rutte wollte dezent darauf hinweisen, dass nicht nur Europa die USA, sondern auch die USA die NATO brauchen könnte. Die Vereinigten Staaten sind bisher das einzige Land, das den Beistandsartikel 5 des NATO-Vertrags aktiviert hat. Der Grundsatz „Einer für alle“ gilt somit für jedes Mitglied. Ein Austritt der USA aus dem NATO-Krieg im Wahlkampf keine Debatte mehr, jedoch blieb die Forderung nach einer höheren finanziellen Beteiligung der Mitglieder ein zentrales Thema. Trump betonte in einer Wahlkampfveranstaltung, dass diejenigen, die das Zwei-Prozent-Ziel nicht erreichen, auch keinen Schutz erwarten könnten. Mittlerweile investieren über zwei Drittel der NATO-Staaten mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung. Sollte Trump eine zweite Amtszeit antreten, könnte er angesichts des globalen Konflikts eine Erhöhung dieses Beitrags über die zwei Prozent hinaus verlangen.

Wer ist denn nun dieser Pete Hegseth, der neue Verteidigungsminister?

Peter Brian Hegseth, geboren 1980, ist ein ehemaliger Offizier der US-Armee, ein Moderator der FOX-News, wo er seit 2014 tätig ist und fast zu einem verbalen Verteidiger Trumps avancierte. Schon oft hatte er Vorwürfe gegen Trump als haltlos bezeichnet.

Die Entscheidung, Hegseth zum Verteidigungsminister zu treffen, sorgt bei den Demokraten für scharfe Kritik. Der Abgeordnete Dan Goldman aus New York äußerte sich auf CNN mit den Worten: „Ich bin wirklich schockiert.“ Er befürchtet, Trump könne mit diesen Personalentscheidungen eine Machtbasis aus loyalen, aber unerfahrenen Unterstützern aufbauen.

Auf der anderen Seite gibt es auch Zuspruch. Fox-News-Moderatorin Katie Pavlich zeigte sich zuversichtlich, dass Hegseth „das Militär von linkem Wokismus befreien“ werde. John Bolton, ein früherer Sicherheitsberater Trumps, sieht seine Hauptaufgabe dagegen in der Sicherstellung höherer Verteidigungsausgaben. Laut Bolton würde die Haupt-Bewährungsprobe für Hegseth dann kommen, wenn Trump von ihm unethische oder verfassungswidrige Handlungen erwarten sollte.

In dieser ohnehin schwierigen Zeit wird die Friedenssicherung bzw. die Wiederherstellung von Frieden wie z.B. in der Ukraine, nicht unbedingt einfacher, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken.

Ausgerechnet jetzt zerfällt auch noch die deutsche Regierung, und es stehen Neuwahlen an ...

... kein Wunder, dass sich die Menschen nicht mehr sicher fühlen und nervös werden.

Und das birgt die nächste Gefahr:
Nämlich die, dass sich Menschen gerade wegen dem Gefühl der Unsicherheit noch stärker extremen Parteien, wie z.B. der AfD, zuwenden.

Wir können nur hoffen, dass es der nächsten (und hoffentlich demokratisch gesinnten!) Regierung gelingt, sich wieder verstärkt auf die Bürger/innen zu konzentrieren, anstatt sich in internen Eitelkeits-Machtspielen zu verlieren! 





Dienstag, 24. September 2024

Der gutmütige „Notfall-Mensch“

Er ist geduldig, ein guter Zuhörer und stets präsent, wenn er gebraucht wird.

Dadurch, dass er gutmütig und sanft ist, schenkt man ihm Vertrauen.

Und er ist ja sooo pflegeleicht!

Er versteht alles, sagt niemals „NEIN“ und lässt sich nahezu bedingungslos kränken. Denn wenn eine Kränkung erfolgt, ist diese bei einer abgegebenen Entschuldigung ja sofort wieder verziehen.

Tolerant bis zur Selbstaufgabe hat der „Notfall-Mensch“ für alles Verständnis.

Wenn er vorgeführt oder veräppelt wird, dann hat die jeweilige Person, von der die seelische Verletzung ausgeht, halt viel um die Ohren und/ oder große Sorgen! Denn der „Notfall-Mensch“ selbst hat es leicht.

Nur die anderen haben es schwer.

Man kann ihn belügen bzw. beschwindeln, und nicht selten wird er dann sogar belächelt: „Ach, DIE oder DER glaubt ja sowieso alles, was ich erzähle.“

Der „Notfall-Mensch“ vermittelt dies schließlich auch. Durch sein Verhalten ebnet er denen, die ihn sozusagen „missbrauchen“, den Weg.

Nach wie vor nämlich wird Gutmütigkeit mit Schwäche und Dummheit in Verbindung gebracht!

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Wenn es den anderen gutgeht, wird der „Notfall-Mensch“ ad acta gelegt, denn dann wird er nicht benötigt.

Man verabredet sich nur mit ihm, wenn gerade keiner anderer zur Verfügung steht.

Doch sobald eine interessantere Verabredung lockt, wird der „Notfall-Mensch“ wieder in die Schublade gepackt und mit billigen Ausreden abgespeist.

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Er dient als Kummerkasten, Ratgeber und ständig verfügbarer Freund.

Man kann an ihm auch wunderbar den eigenen Frust kompensieren, indem man ihn abkanzelt, auf seine (teilweise angeblichen) Fehler hinweist, sonstwie bemängelt oder gar herunter putzt.

Auf gut deutsch: Er ist das ideale Ablassventil zum Kompensieren eigener negativer Befindlichkeiten.

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TEST: Bin ich ein „Notfall-Mensch“?

1. Bist du Priorität oder lediglich eine Option?

Sucht man also auch dann deine Gesellschaft, wenn man sich ebenso mit anderen Leuten treffen könnte?

2. Rufen dich Menschen an, wenn es ihnen gut geht?

3. Behandelt man dich respektvoll?

Oder spricht man mit dir wie mit einem kleinen Kind? Verschiebt man die Dates mit dir frei nach Laune und Schnauze?

4. Geht man auch auf DEINE Sorgen ein?

Und zwar ohne den Kommentar: „Ach, du hast ja selbst Schuld…?“ und ohne „… ich hab dir doch gesagt, dass …“ ?

5. Musst immer nur DU Vorschläge machen oder zeigen andere auch Eigeninitiative, wenn es um Planungen, z.B. für ein Treffen, geht?

6. Macht man dir Vorwürfe?

Getreu dem Motto: „Du hast ja nie Zeit für mich…“ u.a.

7. Sagt man dir Angenehmes? Lobt man dich?

8. Hält man dir frühere Zuwendungen oder Geschenke vor?

9. Hörst du sogar den schrecklichen Satz: „Wenn ich überlege, was ich schon alles für DICH getan habe …“?

10. Fühlst du dich mit der Person oder nach einem Gespräch mit ihr wohl?

11. Kontrolliert man dich oder versucht es zumindest?

12. Verlangt man von dir Rechenschaft über deine Handlungen?

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Findest du dich in nur einem einzigen dieser Punkte wieder, solltest du den Kontakt zu der betreffenden Person ernsthaft überdenken und ggf. sofort abbrechen!

OHNE erklären zu wollen oder zu entschuldigen.







Montag, 27. März 2023

Künstliche Intelligenz ("KI") - Fortschritt und amputierte Talente

Was vor nicht allzu langer Zeit noch ins Reich der Utopie gehört hatte und staunend in irgendwelchen Science Fiction-Filmen zu bewundern war, ist nun also endgültig Wirklichkeit geworden - die sog. KI.

Vieles ist dadurch machbar geworden, und gerade auf dem medizinischen Sektor eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten, z.B. in Bezug auf noch vor kurzer Zeit undenkbar erscheinende Eingriffe. Die Wissenschaft und unzählige andere Gebiete profitieren - nicht zuletzt im "Dienste der Menschheit". Das ist tatsächlich so. 

Doch auch unbequeme Fakten kann man nicht einfach ausradieren; einiges  erscheint nun in einem ganz anderen Licht.
Warst du stolz darauf, besonders gut schreiben und texten zu können? Hattest du in der Schule stets gute Noten in Rechtschreibung und Grammatik? War es gerade dieses Schreibtalent gewesen, das dich zur Journalistin/ zum Journalisten oder zur Schriftstellerin/ zum Schriftsteller, Autor/in usw. prädestiniert hatte?
Ist anscheinend nicht mehr relevant!
Wir sind in einer Zeit angekommen, in der all das durch "Künstliche Intelligenz" bewältigt werden kann! 😟

Angefangen hatte alles schon viel früher, und zwar bequem und simpel durch die Rechtschreib-Überprüfung der Textverarbeitungsprogramme. Gegen diese Tools ist auch nach wie vor nichts zu sagen, denn selbst die besten Verfasser/innen vertippen sich zeitweise oder hangeln im Ideenfluss an der Grammatik bzw. der korrekten Rechtschreibung vorbei.
Doch statt bloßer Überprüfung des von DIR geschriebenen Textes wird jetzt alles komplett von der KI übernommen.

Das gilt nicht nur für die schreibende Zunft, oh nein. Grafiker/innen, Illustrator/innen und natürlich auch viele Berufe der logischen Genres, wie z.B. Mathematiker* und Naturwissenschaftler*, sind davon betroffen!
Manchmal ertappst du dich bei der Frage: "Warum und wofür habe ich überhaupt jahrelang gelernt und an meinen Fähigkeiten gefeilt?" Komponisten* und Songwritern* geht es nicht anders - wozu braucht man sie noch? Kann doch alles die KI machen!

Zum Glück kommt es (noch!) vor, dass auch die KI nicht einwandfrei arbeitet. Teilweise kommt der größte Blödsinn zu Stande, was man leider schon an und in vielen Homepages und Firmentexten sehen muss - hat fast etwas Tröstendes.
Als Autorin, Texterin und Journalistin fühle ich mich fast wie eine alte Dampflok, die bewundernd in einem Museum betrachtet, aber nicht mehr auf die Schiene gebracht werden kann. Nicht mehr schnell genug, nicht mehr modern.

Mit der Texterstellung hört es bei der KI natürlich lange nicht auf. Manche Operationen können Maschinen ausüben; ebenfalls sollen sich kranke Menschen innerhalb einer virtuellen Sprechstunde, von künstlich generierten "Ärzten", liebevoll betreut fühlen. Häufig werden sie in Kliniken ja bereits von Robotern "gepflegt".
Auch das gute alte Handwerk "Kochen" wurde längst automatisiert; der "Thermomix" war erst der Anfang. Die verbleibenden Tage von KassiererInnen sind ebenfalls gezählt. 

Die Einzigen auf der sicheren Seite sind IT- und EDV-Spezialisten*, Software-Entwickler* und Programmierer*.

Schöne neue Welt? Nein - adieu, Talent und Kreativität! Es war schön mit Euch. 

Bestimmt hat die KI auch auf millionenfache Arbeitslosigkeit, soziale Verelendung und schleichende Verblödung eine Antwort?

ICH glaube das nicht. Eher habe ich große Bedenken, dass die KI in die falschen Hände gerät - gerade auf dem militärischen Sektor hätte dies unvorstellbare Folgen. 


*= Aus Gründen der besseren Lesbarkeit erwähne ich nicht ständig die weibliche Berufsbezeichnung, die selbstverständlich ebenfalls angesprochen ist.