Die
in Mode gekommenen Sendungen über die schmarotzenden parasitären
„Hartz IV“-Empfänger nähren Unkenntnis und Vorurteile.
Doch sollte man dann auch so fair sein, das Verurteilen anderer Personen zu unterlassen!
Denn viele der über die "Hartz-Vierer" schimpfenden und äußerst geplagten Hausfrauen und -männer wären ohne die Einkünfte ihres holden Ehegespons selbst längst Sozialfälle.
Doch sollte man dann auch so fair sein, das Verurteilen anderer Personen zu unterlassen!
Denn viele der über die "Hartz-Vierer" schimpfenden und äußerst geplagten Hausfrauen und -männer wären ohne die Einkünfte ihres holden Ehegespons selbst längst Sozialfälle.
Es
werden sog. „Reality“-Formate präsentiert, die jedoch mit der
tatsächlichen Wirklichkeit absolut nichts zu tun haben.
Natürlich
gibt es sie, die von Natur aus Arbeitsunwilligen. Es gibt Menschen,
die sich mit dem niedrigen ALG-II-Einkommen abfinden und lieber im
Existenzminimum verbleiben als einen Finger zu rühren …
… aber
warum gibt es sie?
Von
Natur aus „faul“ sind die wenigsten. Stets spielen entscheidende
Faktoren, wie z.B. eine
geknickte Vita, Suchterkrankungen, psychische Defekte oder
schlichtweg Ängste eine Rolle.
In
den „Reality-TV“-Sendungen wird jedoch das in Mode gekommene
althergebrachte Klischée bis hin zur Erschöpfung bedient.
Teilweise ungepflegt wirkende Menschen mit leicht primitiver
Ausdrucksweise sitzen Kaffee oder Bier trinkend an schmutzigen
Tischen und stopfen sich aus Unmengen von Tabak schachtelweise
Zigaretten.
Während
sie dies tun, schimpfen sie laut über den Staat und mit dem laut
schreienden Kind.
Auf
dem Fußboden liegt Schmutz – überhaupt sieht alles ziemlich
dreckig aus. So entsteht die Annahme, alle ALG-II-Empfänger seien
schlampig und mit der Hygiene sowieso nicht auf Du und Du.
Zur
Bildung von Vorurteilen trägt auch die Unwissenheit bzgl. des
Hartz-4-Regelsatzes bei.
Viele
Leute wissen gar nicht, dass vom Regelsatz (aktuell 416,-€) die
Kosten für die Strom- und Telefonrechnung ebenso getragen werden
müssen wie auch die Auslagen für Bewerbungen Passbilder
usw.
Sicher:
Man kann ins Bewerbungscenter gehen. Doch nicht für jeden
Leistungsbezieher ist ein solches Center in der Nähe oder
überhaupt verfügbar.
Ebenso
ist vorgesehen,
dass von besagtem
Regelsatz auch etwas für evtl. Reparaturen und Anschaffungen
zur Seite gelegt werden muss.
Der
„Hartz-Vierer“ bekommt keine Einbauherde, Kühlschränke oder
Sonstiges dieser Art vom Amt geschenkt!
Bestenfalls
erhält er ein Darlehen, das ratenweise monatlich wieder einbehalten
wird.
„Diese
Arbeitslosen brauchen ja noch nicht einmal was fürs Essen auszugeben
… die kriegen das alles von der Tafel!“
Erstens
befindet sich nicht überall eine Lebensmittelausgabe – und
zweitens werden teilweise dort auch abgelaufene Nahrungsmittel
ausgegeben, die sich die über „Hartz-4-Empfänger“
Schimpfenden niemals einverleiben würden.
Es
ist nicht mehr zu ertragen, welches „Schlaraffenland-Dasein“ den
Empfängern von Arbeitslosengeld 2 angedichtet wird.
Und
vor allem wird eines zusätzlich
vergessen:
Bis
auf evtl. wenige Ausnahmen ist kein Mensch gern arbeitslos!
Der/
die mit sich selbst Unzufriedene – mitunter von Enttäuschungen,
Schicksalsschlägen und unerfüllten Träumen geprägt – sucht
und schafft sich gern ein Feindbild.Da
bieten sich die ach so Arbeitsunwilligen natürlich an …
Ich
rate jeder/ jedem, die/ der sich über „Hartz-IV“-Empfänger
empört, doch mal einen Probemonat zu starten!
416
Euro (Die
folgenden Zahlen stellen Durchschnittswerte dar):
-
50 € Strom
-
30 € Telefon
-
20 € Handy (braucht man heute allein schon zur Arbeitssuche!)
-
05 € Briefmarken (Bewerbung)
-
35 € Monatsfahrkarte (in
Großstädten unerlässlich, auch für Bewerbungen – ermäßigter
Preis)
Es
verbleiben 276,- €.
Von
diesem Betrag ist die Ernährung ebenso zu bestreiten wie die
Körperpflege und die Pflege der Wohnung. Also vom Duschbad übers
WC-Papier bis hin zu den Reinigungsmitteln.
Hier
ein
Auszug der
offiziellen
Zusammensetzung des Regelsatzes:
-
Essen und Trinken 137,66 € (für 4 Wochen … guten Appetit …)
-
Freizeit, Kultur 37,88 €
-
Internet, Telefon, Post 35,31 €
-
Strom und Haushalt, Instandhaltung 35,01 €
-
Innenausstattung und Haushaltsgeräte 24,34 €
-
Sonstiges 31,31 €
-
Bus, Bahn, Auto 32,90 €
-
Gesundheitspflege 15 €
-
Restaurant und Hotel 9,82 €
-
Bildung und Lernen 1,01 €
-
Kleidung und Schuhe 34,60 €
Spätestens
hier erkennt die/der unbändig Tobende, dass hier nicht der oft
unterstellte Wohlstand herrscht.
Hartz
IV soll ja schließlich das Existenzminimum abdecken – nicht mehr,
nicht weniger!
Um
so deutlicher wird hier doch, dass bestimmt keiner
ein
solches Leben freiwillig anstrebt.
Jeder
Mensch möchte sich gern mal etwas gönnen. Und ebenso bedeutet
Arbeit ja
auch Teilhabe am Leben, Stärkung des Selbstwertgefühls,
zwischenmenschliche Kontakte und vieles mehr.
Aber:
Jedoch
könnte der Staat auch mehr tun für die Menschen, die aus eigener Enttäuschung heraus fleißig
auf das angebliche Luxusleben der Hartz-Vierer schimpfen.
Häufig
sind das Rentner, die auch im Ruhestand noch arbeiten oder Leergut
sammeln müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen! Obwohl sie
40, 45 Jahre gebuckelt haben ...
Leider
wissen viele Rentner mit kleiner Rente nicht, dass sie ebenfalls
unterstützende Leistungen beantragen könnten – oder sie sind
zu stolz dafür. Was man teilweise sogar verstehen kann.
Menschen
jedoch, die selbst seit Jahrzehnten nicht
mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, sondern als
Hausfrau/ Hausmann vom
Einkommen des Partners/ der Partnerin leben – was
ja absolut okay ist! - ,
sollten sich
kein Urteil über sozial Schwache erlauben dürfen.
Teilweise
wissen sie nämlich überhaupt nicht wie es ist, alleinstehend zu
sein und ständig ums Überleben kämpfen zu müssen.
Es
gibt auch Leute, die in unglücklichen Beziehungen verbleiben, weil
sie sich dort wirtschaftlich gut versorgt wissen.
Vielleicht
fürchten sie sich sogar vor dem Arbeitsalltag oder trauen es sich
einfach nicht mehr zu.
Das
ist ja nichts Verwerfliches.
Die
geschilderten Sachverhalte bergen großen sozialen Sprengstoff.
Vielleicht
sollte vom Fernsehen einmal gezeigt werden, wie viele Hartz-Vierer
sich verzweifelt um Arbeit kümmern und immer wieder abgewiesen
werden. Welche Kosten durchs Schreiben von Bewerbungen, Fahrten zu
Vorstellungsgesprächen usw. entstehen. Ohne eine Möglichkeit
der verbilligten Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs (worüber sich
die Gesellschaft natürlich ebenfalls entrüstet!) würde ein Viertel
der Lebenshaltungskosten in Fahrtkosten aufgehen.
Ohne
die im TV gezeigten armen Menschen
abzuwerten:
Es
gibt sehr viele „Hartz-Vierer“, die sich pflegen und die sich
durchaus gewählt ausdrücken können!
Hier
wird ein total falsches Bild vermittelt!
Das
Fernsehen sollte aufklären und nicht aufstacheln.
Sonst
bilden „Hartz-4“-Empfänger eines Tages eine Randgruppe, über
die sich jeder nach Belieben auslassen kann.
Solch ein
Prellbocksystem kennen wir ja aus der deutschen Vergangenheit durch
die Judenverfolgung recht gut.
Im
21. Jahrhundert haben wir nun schon drei Gruppen, an denen
sich die Zornigen reiben:
Asylbewerber,
Raucher und Hartz-4-Empfänger.
Das
ist übel.
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