Ist es nicht wunderbar, wenn wir uns mit
jedem Menschen gut verstehen?
Dem Chef widersprechen wir nicht, denn wir
wollen ja in Ruhe unsere Arbeit machen können. Und vor allem wollen wir den Job
ja auch behalten!
Auch engen Freunden geben wir stets Recht.
Schließlich meinen sie es ja nur gut mit uns! Und Freund A ist sowieso immer
gleich gekränkt oder gar böse, wenn wir etwas anders machen als er vorschlägt –
also stimmen wir lieber kleinlaut zu, bevor wir uns wenig freundschaftlichen
Diskussionen hingeben.
In der Familie ist es ebenso. Unsere
Angehörigen sind enttäuscht, wenn wir uns außerhalb ihrer Vorstellungen
bewegen.
Der erste innere Konflikt ergibt sich, wenn
der enge Freund A eine andere Handlungsweise vorschlägt als Freund B. ... Wie
sollen wir uns denn nun entscheiden?
Einer von beiden wird auf jeden Fall „enttäuscht“
oder gar sauer sein, wenn wir seinen wohlmeinenden Rat nicht befolgen!
Dass wir uns überhaupt derartigen
Überlegungen hingeben, weist schon auf ein großes Problem mit unserem
Selbstvertrauen hin. Denn wir stellen den „Rat“ eines Freundes über unsere
eigene Entscheidung.
Beratungsresistent zu werden ist natürlich
auch kein erstrebenswertes Ziel. Doch hin und wieder müssen wir uns klar machen,
dass ein Rat kein Befehl sein darf!
Denn wir werden auch immer wieder auf Menschen
treffen, die ihr eigenes desolates Seelenleben durch eine Kontrolle über uns
kompensieren wollen. Das ist noch nicht einmal böse gemeint, sondern geschieht
bei den betreffenden Menschen meist unbewusst. Sie selbst sind der Überzeugung,
dass sie uns durch ihre Bevormundung helfen.
Und auf der Arbeit ebnen wir durch ein überzogenes
Harmoniebedürfnis künftigem „Mobbing“ den Boden. Wenn wir stets freundlich und
geduldig bleiben - egal, was Chef oder Kollege gerade von sich gibt – eignen wir
uns hervorragend als Kompensator für die Probleme des/ der anderen.
Die/ der Bertreffende kann dann ja wunderbar
seinen eigenen Frust ablassen ohne sich selbst oder sein Arbeitsverhältnis zu
gefährden!
Nach den meisten seelischen Attacken dieser
Art gesellt sich irgendwann wieder eine Entschuldigung dazu. Meistens nämlich
dann, wenn wir tatsächlich auch mal hart bleiben sollten und nicht nachgeben.
Nun ist es natürlich ein schöner Zug, wenn
wir eine Entschuldigung annehmen. Und das sollten wir auch tun! Denn jeder
verdient eine Chance; wir alle machen Fehler.
Aber:
Entwickelt sich der Kränkungsmechanismus mit
anschließenden Entschuldigungen zu einer Art neuen Sport, müssen wir die
Reißleine ziehen!
Denn sich regelmäßig demütigen zu lassen ist weder tragbar noch "normal".
„Ich hab gerade Mist erlebt und muss Druck ablassen.
Da stelle ich mal XY in den Senkel; danach geht es mir besser! Und XY ist lieb,
aber sooo dämlich … die/ der verzeiht mir ja sowieso immer wieder!“
Wir sind Menschen und keine Spiel- oder
Werkzeuge.
Respekt, den wir anderen entgegenbringen,
dürfen wir ebenso für uns selbst erwarten – so einfach ist das.
Denn in Harmonie müssen wir vor allem mit uns
selbst leben. Auch, wenn das nicht jedem gefällt.
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