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Donnerstag, 14. September 2017

Butawaka 17

„Was hat sie denn jetzt wieder?“ werdet Ihr Euch überrascht beim Lesen des Titels fragen. 

Nein, Ihr Lieben: Keineswegs übe ich einen neuen Modetanz ein. Und ich beabsichtige auch keine Reise in den Kongo; noch weniger bin ich an einem unerforschten Virus erkrankt.

„Butawaka“ ist viel mehr die Abkürzung für den freudvoll geführten diesjährigen Bundestagswahlkampf.
Wir einigen uns darauf, die Endsilbe „-kampf“ durch die deutlich besser passende Bezeichnung „-krampf“ zu ersetzen.

In ermüdenden Wortgefechten werden sinnlos aneinander gereihte Phrasen heruntergeleiert, die wir mittlerweile auswendig kennen. Brennende Fragen werden durch verschwiegene (weil nicht vorhandene!) Antworten verflacht.

Nun ruft ein verzweifelt Kämpfender gar noch nach einem zweiten „Duell“ der Spitzenkandidaten – als würden Django und Billy the Kid im Seniorenheim von Virginia City nach einem Beschuss mit Platzpatronen vorsichtig flüstern: „Komm, wir machen noch mal neu, aber mit echten Patronen!“

Ich sehne den 24. September herbei.
Dann haben wir die Bespaßungs-Combos hinter uns.

Und können den Begriff „Politik-Verdrossenheit“ an unserem eigenen Befinden endlich konkret definieren!

  




Dienstag, 12. September 2017

Das Bedürfnis nach Harmonie – seine Vorteile und seine großen Gefahren

Ist es nicht wunderbar, wenn wir uns mit jedem Menschen gut verstehen?

Dem Chef widersprechen wir nicht, denn wir wollen ja in Ruhe unsere Arbeit machen können. Und vor allem wollen wir den Job ja auch behalten!

Auch engen Freunden geben wir stets Recht. Schließlich meinen sie es ja nur gut mit uns! Und Freund A ist sowieso immer gleich gekränkt oder gar böse, wenn wir etwas anders machen als er vorschlägt – also stimmen wir lieber kleinlaut zu, bevor wir uns wenig freundschaftlichen Diskussionen hingeben.
In der Familie ist es ebenso. Unsere Angehörigen sind enttäuscht, wenn wir uns außerhalb ihrer Vorstellungen bewegen.

Der erste innere Konflikt ergibt sich, wenn der enge Freund A eine andere Handlungsweise vorschlägt als Freund B. ... Wie sollen wir uns denn nun entscheiden?
Einer von beiden wird auf jeden Fall „enttäuscht“ oder gar sauer sein, wenn wir seinen wohlmeinenden Rat nicht befolgen!

Dass wir uns überhaupt derartigen Überlegungen hingeben, weist schon auf ein großes Problem mit unserem Selbstvertrauen hin. Denn wir stellen den „Rat“ eines Freundes über unsere eigene Entscheidung.

Beratungsresistent zu werden ist natürlich auch kein erstrebenswertes Ziel. Doch hin und wieder müssen wir uns klar machen, dass ein Rat kein Befehl sein darf!
Denn wir werden auch immer wieder auf Menschen treffen, die ihr eigenes desolates Seelenleben durch eine Kontrolle über uns kompensieren wollen. Das ist noch nicht einmal böse gemeint, sondern geschieht bei den betreffenden Menschen meist unbewusst. Sie selbst sind der Überzeugung, dass sie uns durch ihre Bevormundung helfen.

Und auf der Arbeit ebnen wir durch ein überzogenes Harmoniebedürfnis künftigem „Mobbing“ den Boden. Wenn wir stets freundlich und geduldig bleiben - egal, was Chef oder Kollege gerade von sich gibt – eignen wir uns hervorragend als Kompensator für die Probleme des/ der anderen.
Die/ der Bertreffende kann dann ja wunderbar seinen eigenen Frust ablassen ohne sich selbst oder sein Arbeitsverhältnis zu gefährden!

Nach den meisten seelischen Attacken dieser Art gesellt sich irgendwann wieder eine Entschuldigung dazu. Meistens nämlich dann, wenn wir tatsächlich auch mal hart bleiben sollten und nicht nachgeben.
Nun ist es natürlich ein schöner Zug, wenn wir eine Entschuldigung annehmen. Und das sollten wir auch tun! Denn jeder verdient eine Chance; wir alle machen Fehler.

Aber:
Entwickelt sich der Kränkungsmechanismus mit anschließenden Entschuldigungen zu einer Art neuen Sport, müssen wir die Reißleine ziehen!
Denn sich regelmäßig demütigen zu lassen ist weder tragbar noch "normal".

„Ich hab gerade Mist erlebt und muss Druck ablassen. Da stelle ich mal XY in den Senkel; danach geht es mir besser! Und XY ist lieb, aber sooo dämlich … die/ der verzeiht mir ja sowieso immer wieder!“  

Wir sind Menschen und keine Spiel- oder Werkzeuge.
Respekt, den wir anderen entgegenbringen, dürfen wir ebenso für uns selbst erwarten – so einfach ist das. 

Denn in Harmonie müssen wir vor allem mit uns selbst leben. Auch, wenn das nicht jedem gefällt.