Oft im Leben begegnen wir der Frage, ob wir ein „Recht“ darauf haben, dass uns unsere Fehler verziehen werden.
Falls wir nicht zu den Menschen gehören, die ja sowieso immer alles richtig machen – zu den vollkommenen Individuen sozusagen. Realistisch ausgedrückt: Zu den ihrer Meinung nach Unfehlbaren.
Die es natürlich gar nicht gibt.
Jede/r macht einmal oder mehrere Male etwas falsch.
Deshalb sind wir ja auch „nur“ Menschen und nicht Gott. Doch es gibt natürlich gewaltige Unterschiede zwischen kleinen Fehlern oder schweren Verfehlungen.
Vielleicht haben wir ja etwas getan, das andere Menschen gequält hat.
Oder wir haben jemanden kontinuierlich verletzt.
Noch schlimmer: Wir haben unserer Familie, unseren Kindern weh getan.
Das findet man ganz besonders häufig bei Suchtkranken, wie z.B. Drogenabhängigen und AlkoholikerInnen, und auch bei psychisch Kranken.
Oft kommt noch erschwerend hinzu, dass sich die Kranken evtl. gar nicht mehr detailliert oder auch nur grob an ihre „Fehltritte“ erinnern können.
Doch eine Unwissenheit bzgl. begangener Verfehlungen durch Beeinträchtigungen der Sinne während einer Krankheitsphase oder während eines Rauschzustands mildert nicht die Verletzungen an der Seele der betroffenen, von uns sogar geliebten Personen.
Ganz im Gegenteil!
Wenn wir sagen: „Sorry, aber das weiß ich ja alles schon gar nicht mehr …“ entsteht vielmehr der Eindruck, wir würden es uns leicht machen oder sie sogar verhöhnen!
Und so kommt es zu einer Selbstzerfleischung.
In uns entstehen schreckliche Gefühle. Wir machen uns Vorwürfe, die wir nicht mehr aus unseren Köpfen, aus unseren Herzen verbannen können.
Sie sind da.
Wenn nun unsere Entschuldigungen, Erklärungen von den Menschen gar nicht erst angenommen werden, können und sollten wir gar nichts mehr machen.
Andauerndes Bitten und Betteln um Vergebung verstärkt oft noch das negative (Schreckens-) Bild, das die von uns geliebten Personen sowieso schon haben.
Und es zerstört unser Selbstvertrauen, denn wir haben ja schon sehr viel Selbstachtung eingebüßt.
Aber gerade diese Ohnmacht macht auch krank.
Nicht zuletzt kann diese undurchdringliche Mauer, in Kombination mit den schrecklichen Selbstvorwürfen, alles nur noch zusätzlich verschlimmern und – um im Beispiel von Suchtkranken/ psychisch Kranken zu bleiben - auch Rückfälle auslösen.
Es kommt also eine neue Katastrophe hinzu.
Doch nicht nur wir leiden unter der Härte von Unverzeihlichkeit!
Die Menschen, die nicht vergeben können, werden zwangsläufig ebenfalls krank. Sind sie es bereits, nehmen sie sich die Chance auf Genesung.
Denn nicht verzeihen zu können löst eine Bitterkeit aus, die innerlich auffrisst und zerstört!
Wir können niemanden zur Vergebung zwingen.
Aber wir können ständig erneut beweisen, dass wir es auch ernst meinen und nicht mehr in alte Verhaltensmuster zurückfallen!
Unsere Türen sowie unsere Herzen sollten geöffnet bleiben.
Wir selbst müssen uns als Erste verzeihen – so schwer es auch fällt.🍀
Denn wie sollten andere uns vergeben können, wenn wir uns selbst bis in alle Ewigkeit verdammen?
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