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Freitag, 20. November 2020

Radikales Denken und Handeln – der Versuch einer Erklärung

 Angehörige extremer Bewegungen/ Parteien haben häufig eine Gemeinsam­keit: In ihren bisherigen Leben lief bisher einiges schief.

Entweder mussten sie sich nie um irgend etwas bemühen, da sie immer alles in bestimmte Körperteile gestopft bekamen, oder aber sie hatten – und das ist die häufigste Variante! - schon einiges einstecken müssen.

Eine geknickte Vita kann dazu verführen, sich einer linksextremen oder rechts au­ßen angesiedelten Gruppierung anzuschließen. Denn am äußersten Rand ange­siedelte „Interessengemeinschaften“ sind in der Regel bereits schon mit einem Grundpotenzial an Aggressionsbereitschaft im wahrsten Sinne des Wortes „ge­rüstet“.

Menschen mit bereits in der Kindheit erfahrenen Demütigungen neigen etwas häufiger dazu, sich als Erwachsene sog. „Radikalen“ anzuschließen als andere, die in Harmonie und ohne große Sorgen aufwachsen durften. Und auch später erfahrene Enttäuschungen, wie z.B. berufliches Pech, können die "starken Worte" jener Parteien sympathisch erscheinen lassen. Denn sog. "Führungspersönlichkeiten" vermitteln ein Gefühl subjektiver Sicherheit.

Es greift die sog. „Hackordnung“. Seit langer Zeit verdrängte Schmerzen und Demütigungen können, beispielsweise durch Parteiziele legitimiert, endlich wei­tergegeben werden. Die Sehnsucht nach Rache wird erfüllt, was ihr oder ihm außer Befreiung auch die lang ersehnte Anerkennung verschafft.

Bestes Beispiel hierfür liefert Hitlers Propagandaminister Goebbels. Der als Ju­gendlicher wegen seiner Behinderung oft verspottete Außenseiter wurde eine der wichtigsten Figuren innerhalb der furchtbaren NS-Diktatur und avancierte trotz seines fragwürdigen Aussehens sogar zum begehrten Frauenhelden.

MACHT – diese Droge zog schon immer. Auch heute noch!

Donald Trump ist u.a. ein gutes Beispiel dafür, dass ein großes Mundwerk, un­abhängig vom Müll der demselben entströmt, stets seine Anhänger findet.

Mit einem Parteibuch in der Hand und evtl. einem zielgruppenorientierten Äu­ßeren wird unter Einbeziehung extremen Denkens – das gerade Personen mit gemilderter Intelligenz sehr leicht fällt – aus dem kleinsten Wurm plötzlich eine große gefährliche Schlange!

Denn nun hat die früher eher schüchterne Person etwas zu sagen - und wird auch gehört und respektiert.

Zumindest fühlt sie sich so.

Denn sie ist nicht mehr der unsichtbare Schatten, der durch die Gegend huscht, sondern wird wahrgenommen.

Nicht selten hatten Mitglieder extremer oder sogar radikaler Vereinigungen in ihrer Vergangenheit Gewalt, Missbrauch, Demütigung erlebt.

Wenn dann noch das Gefühl entsteht, „versagt“ zu haben oder ein/e Verlierer/in zu sein, z.B. durch Scheitern in der Schule oder beruflichen Misser­folg, ist der Weg in den Extremismus geebnet.

Fehlt nur noch die Uniform – zack!- und schon wird aus dem Verlierer ein Ge­winner!

Jetzt ist sie oder er Mitglied einer Gemeinschaft!

Es entwickelt sich ein Gefühl der Überlegenheit. „Ich bin etwas Besseres! Wer anders denkt als ich es tue, ist im Unrecht. Er ist mein Feind und muss be­kämpft werden.“

Um dieses Gefühl der Stärke zu untermauern, muss natürlich noch ein Feind­bild her. Denn man kann sich nur dann als etwas Besseres darstellen, wenn man irgend etwas zum „Niedermachen“ findet und als Gegner präsentieren kann. Juden, Flüchtlinge, Asylbewerber, Hartz-IV-Empfänger … demnächst kommen vielleicht noch FriseurInnen, SchornsteinfegerInnen oder Kaugummi-HerstellerInnen mit dazu.

Spielt im Endeffekt auch keine große Rolle – Hauptsache, etwas oder jemand, gegen das/ den man Stimmung machen und Hass positionieren kann.

Keineswegs beabsichtige ich mit diesem Post, radikales Handeln und Denken zu entschuldigen.

Doch wer sich der Demokratie gegenüber feindlich zeigt und sich politisch ge­gen die Freiheit und gegen den Frieden positioniert, braucht außer (dringend erforderlichen!) strafrechtlichen Konsequenzen vor allem eines:

Hilfe.

Sonntag, 1. November 2020

Ella und Henri Kleinschmidt - ein später Nachruf

   In der Kleinstadt Munster lebte einmal das Ehepaar Ella und Henri Kleinschmidt.

Die Zwei hatten 1961 ihr Enkelkind Petra zu sich genommen (die Verfasserin dieses Posts), und sie hatten es großgezogen und verwöhnt.

Ella Kleinschmidt war geübt im Aufziehen der Kinder anderer, die allesamt bei ihr und ihrem Mann Henri, dem leiblichen Vater der Kinder, ein liebevolles Zuhause gefunden hatten. Zusätzlich hatte sie auch noch einen Adoptivsohn, der ihr später aus materiellen Gründen den Rücken kehrte.

Durch sehr verworrene Familienverhältnisse und allerlei andere schicksalhafte Ereignisse lief nicht alles reibungslos. Und so entstand in Ella Kleinschmidt irgendwann der Eindruck, niemand würde ihr danken und ihren geleisteten Lebenseinsatz zu schätzen wissen.

Okay - bestimmt hatten auch die beiden Fehler gemacht, die machen wir alle. Doch der selbstlose Einsatz Ellas und Henris wurde zu Lebzeiten viel zu wenig gewürdigt - auch von mir.

Heute, am 1. November 2020, jährt sich der Geburtstag von Opa Henri zum 110. Male. Ich möchte daher diesen Tag zum Anlass nehmen, meine große Hochachtung, Verehrung und Liebe auszudrücken.

Ohne Euch wäre ich nicht die Frau geworden, die ich heute bin.

Ich konnte nie Eure Gräber besuchen; ich hatte es mental nicht geschafft. Doch im Herzen und in Gedanken bin ich täglich bei Euch - voller Dankbarkeit und Liebe.

Die Meinung einiger Munsteraner Einwohner habe ich in die Kiste "...lasse doch reden..." gepackt und den Schlüssel weggeworfen.

Liebe währt ewig. 💟

Und dort, wo Ihr jetzt seid, seht und fühlt Ihr es bestimmt ganz deutlich.

Ella und Henri Kleinschmidt - zwei großartige Menschen, denen ich an dieser Stelle auch ganz offiziell noch einmal danken will.