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Sonntag, 25. Oktober 2020

Bitte nicht weitersagen - Versprechen und Verrat

  Adele hat sich kürzlich über ihre langjährige Freundin Berta geärgert, mit der sie regelmäßig in Kontakt steht. Trotz der jahrelangen Freundschaft fühlt sie sich nun aufgrund einer Kleinigkeit von Berta enttäuscht.

Um ihre Gefühle zu teilen, wendet sich Adele an ihre zweite "beste Freundin" Carla. In ihrem Ärger verrät sie unbeabsichtigt einige Geheimnisse, die Berta ihr im Vertrauen anvertraut hatte. Getrieben von Wut und Enttäuschung bricht Adele ihr Versprechen der Verschwiegenheit gegenüber Berta, indem sie sagt: "... aber behalte das bitte für dich...".

Einige Zeit später erlebt Adele erneut Frustration, diesmal über Carla. Jetzt erfährt Berta intime Details aus Carlas Leben mit dem gleichen Versprechen der Verschwiegenheit.

Diese fortlaufenden Verletzungen von Versprechen durch Adele, motiviert durch Wut und Enttäuschung, sind bedauerlich und charakterlich fragwürdig. Solches Verhalten kann als Verrat betrachtet werden, da Vertrauensbruch letztendlich Verrat bedeutet.

Viele von uns haben möglicherweise ähnliche Erfahrungen gemacht, aber es ist wichtig zu erkennen, dass solch ein Verhalten moralisch verwerflich ist. Selbst wenn es Missverständnisse oder Konflikte gibt, rechtfertigt dies nicht das Weitertratschen von anvertrauten Geheimnissen.

Es ist eine Sünde gegen das Vertrauen einer anderen Person und wird höchstwahrscheinlich nicht ungestraft bleiben, weder von unseren Mitmenschen noch von einer höheren Macht.

Es ist wichtig zu betonen, dass Versprechen und Geheimnisse in einer Freundschaft als Vertrag betrachtet werden sollten. Wenn eine Partei die Regeln missachtet, ist der gesamte Vertrag hinfällig. Diskretion sollte innerhalb einer Freundschaft immer selbstverständlich sein, selbst wenn die Freundschaft auseinandergeht.

Abschließend gilt die goldene Regel: "Was DU nicht willst, das man DIR tu', das füg' auch keinem andern zu!"

Respekt und Vertraulichkeit sind entscheidend, um eine gesunde und dauerhafte Freundschaft aufrechtzuerhalten.


Dienstag, 13. Oktober 2020

Alkoholismus - die am wenigsten verstandene Volkskrankheit

Wohl kaum eine andere Krankheit ist mit so vielen Vorurteilen und Irrtümern behaftet wie der Alkoholismus.

Die sind doch selbst schuld!“, heißt es beispielsweise. „Wenn die nicht trinken wollten, würden sie ja aufhören!“

Oder: „Die sind alle dreckig und verlogen!“

Doch es handelt sich bei der Alkoholkrankheit – der Name sagt es bereits! - keineswegs um eine schlechte Charaktereigenschaft, um Willensschwäche oder um eine Begleiterscheinung mangelhafter Intelligenz, sondern um eine schwe­re Erkrankung, die unbehandelt fast immer tödlich endet.

Früher sagte man gern: „Es gibt mehr alte Säufer als alte Ärzte!“ Das ist ein Märchen. Denn Trinker, die bereits ein hohes Alter erreicht haben, sind häufig erst spät dem Alkohol verfallen.

Alkoholismus ist eine Sucht:

  • Die Substanz „Alkohol“ wird vollständig in den Kreislauf eines Men­schen eingebunden. Das bedeutet, dass verschiedene Denk- und Kör­perfunktionen auch nur unter Alkoholeinfluss funktionieren.

  • Die Psyche und die Seele verfallen der Droge ebenfalls, weil der Alko­hol eine Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit ausschließlich im an­getrunkenen Zustand vorgaukelt.

Die Erscheinungsbilder des Alkoholismus sind jedoch unterschiedlich.

Es gibt alkoholkranke Menschen, die durch den regelmäßigen Besuch einer Selbsthilfegruppe, wie z.B. den „Anonymen Alkoholikern“, nüchtern und tro­cken werden können. Bei diesen Kranken ist die Sucht hauptsächlich seelisch und psychisch orientiert und sie können tatsächlich dauerhaft ohne körperliche Entzugstherapie (stationäre Entgiftung) genesen. Aber ohne vorherige körperli­che Entgiftung kann man nur durch den Besuch bei einer Selbsthilfegruppe nicht trocken werden – das ist ein Irrtum. Die Kranken, bei denen das funktio­niert hat, waren körperlich nicht oder nur milde abhängig. Rein psychische Ab­hängigkeit ist somit jedoch durch regelmäßigen Gruppenbesuch therapiebar.

Andere wiederum, und das ist der größte Teil unter den Kranken (mindestens 75%) brauchen die überwachte stationäre Entgiftung unter Einsatz spezieller Medikamente, da der körperliche Entzug lebensgefährlich werden kann und häufig mit schwersten Ausfallerscheinungen, wie z.B. mit epileptischen Anfällen und Delirien, gekoppelt ist.

Daraus erklärt sich bereits, dass die/ der Alkoholiker/in ganz bestimmt nicht „gerne“ trinkt!

Auch, wenn sich das Betroffene häufig selbst einreden – denn Alkoholiker/in zu sein, hat etwas Abwertendes, Beschämendes.

Würden Alkoholiker „ganz einfach“ von selbst aufhören können zu trinken, würde keine einzige Krankenkasse Entgiftungen und Therapi­en bezahlen!

Was bedeutet es denn für die Betroffenen, mit Alkoholismus zu leben?

  • Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit gelingt Nahrungsaufnahme nur noch mit Widerwillen, da der Körper aufgenommene Speisen gleich wieder von sich gibt.

  • Steht kein Alkohol zur Verfügung, entstehen Ängste und Wahnvorstellun­gen, Krampfanfälle und vieles mehr.

  • Die Fähigkeit zur körperlichen Liebe leidet, ebenso das Verlangen da­nach.

  • Vergesslichkeit, Realitätsverlust drohen. Einige Alkoholiker können Fikti­on und Traum nicht mehr von der Wirklichkeit unterscheiden („Korsakow-Syndrom“).

  • Schmerzen in den Gelenken entstehen, ebenso zahlreiche organische Be­schwerden bis hin zu schwersten Erkrankungen, die tödlich enden kön­nen.

  • Die Haut wird gelblich-fahl, Falten entstehen und die Mimik verzerrt sich.

  • Trotz extremer Mangelerscheinungen schwemmen verschiedene Körper­teile durch Wasserbildung auf („Bierbauch“ und „dicker Kopf“); das Ge­sicht wird fleckig-rot.

  • Das Zahnfleisch geht zurück, die Zähne werden faulig.

Kein Mensch tut sich so etwas freiwillig an!

Wir wissen heute viel von und über Krankheiten wie zum Beispiel Krebs.

Doch über die Alkoholkrankheit gibt es nach wie vor eine unvorstellbare Unwis­senheit – besonders in unserer Gesellschaft.

Dabei gilt auch hier:

Es kann jede/n treffen!

Denn gegen Alkoholismus gibt es keine Impfung.


Das Leid der Angehörigen

Alkoholismus ist eine Familienkrankheit.

Das heißt: Nicht nur die/ der Alkoholiker/in leidet, sondern auch die Familien­mitglieder.

Alkohol macht aggressiv, depressiv und passiv – und so muss die Familie un­kontrollierte Wutausbrüche ebenso ertragen wie geäußerte Selbstmordgedan­ken und eine furchtbare Lethargie: Die/ der Kranke verloddert nach und nach, ist ungepflegt, lässt niemanden mehr wirklich an sich heran.

Oder sie/ er ergeht sich in utopischen Zukunftsplanungen und wähnt sich z.B. in der Chefetage.

Vielleicht aber ist sie/ er bereits an „Korsakow“ erkrankt und „beglückt“ seine Lieben mit irgendwelchen Fantasy-Stories, die sie/ er selbst für wahr hält.

Die Familie verzweifelt, denn sie liebt den kranken Menschen in ihrer Mitte nach wie vor, weiß aber überhaupt nicht mehr, wie sie mit ihm umgehen soll.

Aggression erzeugt Gegenaggression.

Nicht selten kommt es zu Handgreiflichkeiten, da die/ der Alkoholiker plötzlich eine unwahrscheinliche Gewaltbereitschaft entwickelt – und sich die/ der Part­ner/in irgendwann auch schließlich wehrt. Vielleicht sogar wehren muss.

Vertrauen geht verloren.

Was kann man denn überhaupt noch glauben?“

Immer wieder verspricht das kranke Familienmitglied, ab sofort alles anders zu machen, und gelobt dauerhafte Besserung.

Doch der im Kreislauf involvierte Giftstoff verhindert dies. Und so wird jeder kleine Hoffnungsschimmer im Keim erstickt. Die Familie fühlt sich belogen und verraten.

Würde sie/ er uns lieben, würde sie/ er ja aufhören zu trinken!“

Es liegt aber nicht an mangelnder Liebe – es liegt daran, dass das Aufhören ohne stationärer Behandlung gar nicht machbar ist, von sehr wenigen Ausnah­men einmal abgesehen!

Kommen dann auch noch „Korsakow“-Phantasien hinzu, fühlt sich die Familie regelrecht „vorgeführt“.

Denn woher soll sie auch wissen, dass die/ der Kranke selbst vom Wahrheits­gehalt seiner Schilderungen überzeugt ist und gar nicht absichtlich lügt?

Sollen Familie und Freunde also alles akzeptieren und verstehen?

Klare Antwort: Nein!

Natürlich ist es hilfreich und empfehlenswert, sich die genannten Punkte vor Augen zu führen. Denn nur so kann man halbwegs verstehen, was mit dem kranken Menschen passiert ist und warum er so und nicht anders handelt, gar nicht anders handeln kann wegen der teuflischen Erkrankung, die in ihm wütet.

Doch hinnehmen muss das niemand!

Es ist notwendig, legitim und unerlässlich, dem Alkoholkranken eine Bedingung zu stellen: „Entweder du machst etwas gegen deine Krankheit, oder wir tren­nen uns.“

So hart es auch klingt, aber anders geht es nicht.

Aufarbeitung der Vergangenheit nach einer erfolgreichen Entzugsthe­rapie

Der Alkoholiker ist trocken.

Vieles vom Geschehenen weiß er überhaupt nicht mehr und natürlich liegt es nahe zu vermuten, dass er es gar nicht wissen will.

Doch für die meisten Alkoholiker ist es ein Schock, wenn sie das eine oder an­dere erfahren, was sie ihren Mitmenschen während ihrer „nassen“ Zeit angetan haben.

Hier helfen nur Gespräche!

Das und das hast du getan und gesagt. Ausgelöst hat das dies und jenes in mir und bei uns!“

Man muss den Alkoholiker also nicht in Watte packen und ihm, sanft den Kopf tätschelnd, immer ins Ohr flüstern: „Jaaa – war ja keine Absicht von dir, du Arme/r ...“

Die Bereitschaft zu verzeihen, sollte jedoch da sein. Und das Bewusstsein darüber, dass sämtliches „Fehlverhalten“ (soll jetzt keine Verniedlichung darstellen) auf eine Krankheit und nicht etwa auf Absicht zurückzuführen war und ist.

Sonst bleiben auf beiden Seiten nur noch Depression und Verbitterung zurück – und damit ist wirklich keinem geholfen.

Denn außer einer Vergangenheit und Gegenwart gibt es schließlich auch eine Zukunft!


"Der Alkoholiker" dient als vereinfachter Oberbegriff und beinhaltet selbstverständlich auch "die Alkoholikerin".