Translate

Montag, 24. September 2012

Gott ist traurig

Eines Morgens war es ganz ruhig im Himmel.

Die Engel wunderten sich, dass überhaupt nichts vom lieben Gott zu hören war. Denn eigentlich rief er sie morgens immer zu sich, um sie zu begrüßen und mit ihnen ein Lied zu singen.

Nicht nur die Engel waren besorgt; auch Petrus schien sehr beunruhigt zu sein. "Was meint Ihr," fragte er die himmlische Schar, "darf ich es wagen, nach IHM zu schauen und zu fragen, ob alles in der Ordnung ist?"
Sein Vorschlag fand breite Zustimmung.
Und so ging Petrus zu der großen Tür des Schöpfers und klopfte behutsam an.

Ganz müde und erschöpft kam ein zaghaftes "Herein" und als Petrus eintrat, saß der liebe Gott zusammen gesunken da und schaute sehr traurig aus.

"Oh Herr, deine himmlischen Heerscharen sind in Sorge und ich bin es auch. Kein Gebet am heutigen Morgen, kein gemeinsamer Gesang?"
"Ach Petrus - ich bin traurig." Ein langer Seufzer kam über die Lippen des Schöpfers.
"Siehst du, was auf der Erde gerade wieder los ist? Sie streiten! Sie führen Krieg! Im Namen der Religionen, in meinem Namen!"

Langsam nickte Petrus.
"Ja, ich weiß, oh Herr. Aber das ist doch nichts Neues. Es ist seit Jahrtausenden so!"

"Das darf doch aber nicht heißen, dass das so bleiben kann! Wann begreifen sie alle endlich, dass ich für jeden ein und derselbe bin? Einige nennen mich Gott, viele andere Allah, wieder andere Jehova - aber das spielt doch keine Rolle! Ich bin ICH!"

"Was willst du nun machen, Vater?"
"Das ist das Schlimme! Ich kann gar nichts machen! Das ist die einzige Ohnmacht, die ich tatsächlich besitze, Petrus; das ist der einzige Punkt, an dem ich nicht vollkommen bin: Ich kann die Menschen nicht indoktrinieren, nicht bekehren, nicht belehren..."

Petrus begriff, dass er dem Schöpfer absolut nicht aus seiner Traurigkeit heraus helfen konnte und ließ ihn wieder allein.

Kurze Zeit später schrieb er einen kleinen Vers:
"Ob Gott, ob Allah - das ist nicht wichtig.
IHN zu respektieren - nur das ist richtig!
Drum feinden wir nicht an die "fremden" Religionen!
Gläubig zu sein wird sich immer lohnen!

Doch zu morden im Namen der Heiligkeit
wird uns verfolgen bis in die Ewigkeit!
Der wahre Glaube trägt ein freundliches Gesicht:
Gewalt und Mord, dies kennt er nicht!

Alles andere hat wenig Sinn:
Also, legt die Waffen hin!
Denn eine Weisheit ist uns beschieden:
Jeder wahre Glauben sucht den Frieden!"




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.