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Samstag, 10. März 2012

Kultureller Spaziergang – ein Abend vorm TV

Das Wetter ist nicht schön; unsere Arbeit haben wir erledigt und sogar schon die Wohnung geputzt. So verspüren wir plötzlich die Regung, uns tatsächlich mal wieder gemütlich in den Sessel zu lümmeln und einfach etwas fern zu sehen.

Wir haben uns ein paar Brote geschmiert, die alten Hausschuhe angezogen und erwartungsvoll die Fernbedienung gezückt. Und schon geht es los!

Während wir voller Appetit in unser Käsebrot beißen, flimmert gerade eine neue Toilettenpapier-Werbung über den Schirm. Die neue Marke sei besonders saugfähig und reißfest, wird uns freudig erzählt und durch einen Test mit Wasser anschaulich demonstriert.
Danach dürfen wir hoffnungsfroh registrieren, dass wir auch vor einer späteren evtl. Blasenschwäche keine Angst mehr haben müssen, da die neue TENA-Binde alles aufsaugen würde, was wir irgendwann von uns geben sollten.
Nachdenklich legen wir unser Brot erst einmal hin...

Auch die Ausscheidungen unserer Jüngsten seien nun kein Problem mehr, dürfen wir erfahren. Die neue „EXTRA DRY“ hält Baby trocken.
Wir räumen unser gerade angebissenes Brot wieder in die Küche, da uns mittlerweile schlecht ist. -

Aber nun! 
Das neue „Supertalent“ sollen wir wählen!
Wir haben die Auswahl zwischen den verschiedensten Kandidaten: Ein Mann mit offenbar wenig Glück im Leben malt mit der Spitze seines Geschlechtes Bilder mit surrealer Aussage. Die nächste Kandidatin schleift sich mit mit unzähligen Speckrollen und doppeltem Doppelkinn über die Bühne und gibt schwitzend und prustend merkwürdige Geräusche von sich, die sie kühn als „Gesang“ bezeichnet. Dieter Bohlen trägt sich mit Suizid-Gedanken und überlegt, ob er künftig nicht doch bei „C&A“ Unterwäsche verkaufen soll.

Als wir umschalten, stoßen wir aufs „Spaß am Samstag“-TV. Zum x-ten Male wird Angela Merkel parodiert. Einige hoffnungsvolle Comedy-Nachwuchtstalente bewerfen sich mit Sahnetorten und halten dies für eine neue Art von Humor – in ihren Gräbern lachen sich Buster Keaton, Stan Laurel und Oliver Hardy wahrscheinlich noch einmal tot.
Glücklicherweise gibt es aber noch die „Öffentlich-Rechtlichen“. Sie schieben eifrig ihre Kurzspots ins Programm, in denen sie uns zur Zahlung der GEZ-Gebühr ermahnen. Denn nur eine pünktliche und regelmäßige Entrichtung derselben ermöglicht uns auf legalem Wege, zum 587. Male Clint Eastwood beim Rauchen seines alten Zigarettenstummels zu betrachten.

Da hilft nur noch das Ansehen der Wiederholung einer nachmittäglichen Talkshow.
Eine Frau in karierter Kittelschürze, deren Vorderzähne sich genau so verabschiedet haben wie vormals ihr untreuer Ehemann, klagt uns ihr Leid. Dieser Lump! Er war mit einer Jüngeren durchgebrannt, obwohl er von ihr jeden Tag umsorgt, bekocht und bemuttert worden war. Na, so etwas aber auch! Später kommt noch ein junger Mann von gerade mal 22 Jahren Lebensalter dazu, der furchtbar weint: Er bekommt keine Arbeit und keine Lehre! Beim Trocknen der Tränen mit einem Taschentuch bleibt er fast an seinem Nasenpiercing hängen. Aber er beruhigt sich schnell und streicht sich durch sein grün-rosa gefärbtes Haar.

Auch wir raufen uns mittlerweile die Haare. Deshalb entdecken wir unsere besten Freunde: Den Ausschaltknopf der Fernbedienung und ein gutes Buch.

Freitag, 9. März 2012

"Ausgewulfft" - von Präsidenten und Pensionen

Stimmen wir doch mal ein zur aktuellen Zeit
in den Gesang "sozialer Ungerechtigkeit".
Während Rentner beim Sozialamt sitzen
und manche Arme in der ARGE schwitzen,
sucht sich Herr Wulff für sein Haus
grad' einen neuen Bürostuhl aus.

Ihn zu verurteilen sei hier vermieden.
Es steht nichts fest; es ist nichts entschieden.
Aber sein Verhalten prägte wochenlang das Bild -
die Berichterstattung überschlug sich wild.
Vom Herrn mit Würde in edlem Frack
bleibt nur ein bitterer Nachgeschmack.

Wir predigen Werte und verfechten Tugend -
so appellieren wir an die Jugend!
Doch an dieser Stelle müssen wir es wagen
auch nach den Vorbildern mal zu fragen!
Unfehlbar sind wir zwar alle nicht,
doch auch die Schwäche hat ein Gesicht.

In der Presse überschlug man sich ganz munter -
andere Themen gingen vollständig unter.
Kriege, Nöte und Rebellionen -
mit denen tat man uns verschonen.
Irgendwo auf der Welt ist eine Krise entfacht:
Egal! Auf Seite 1 wird an Herrn Wulff gedacht!

Es reicht jetzt wirklich; es ist vorüber.
Eine Rückkehr ins Wichtige ist uns lieber!
Ich gebe zu: Es war schon richtig,
denn der Präsident ist wohl auch recht wichtig.
Doch genug mit dem Klamauk:
Wir sind gespannt auf den Herrn Gauck!

Abschließend bemerken wir mit mildem Lachen:
Um Wulffs müssen wir uns keine Sorgen machen!
Der Ex-Präsident, da war man gnädig,
wird aufs Üppigste entschädigt.
Es soll nicht nach Polemik klingen -
doch kräftig lässt der Staat was springen!

All dies zu verstehen fällt schon recht schwer!
Doch "Neid-Debatten" gehören hier nicht her.
Man merkt halt deutlich von Zeit zu Zeit
die viel zitierte "Ungerechtigkeit".
Stellen wir fest ganz ungeniert:
Hier gehört was reformiert!