Am Mittwoch war es soweit: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Berlin besucht, wo er mit Kanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammentraf. Kurz darauf im Kanzleramt gab Selenskyjs Auftritt Symbolträchtiges wieder, hervorgerufen durch technisches Missgeschick.
Das kam so:
Wolodymyr Selenskyj will seine Rede im Kanzleramt beginnen. Schon kommt es zu einem verwirrenden Moment, denn die Übersetzung fehlt. Keiner kann den ukrainischen Präsidenten verstehen.
Doch Bundeskanzler Merz legt ihm beruhigend die Hand auf den Unterarm und fragt: „Keine Übersetzung?“ und weist scherzhaft auf die Tücken deutscher Technologie hin: "German technology“ - das Eis ist gebrochen.
Kurz darauf funktionieren die Übersetzungsversuche.
Es geht weiter mit den ernsten Themen wie hauptsächlich Krieg, Frieden, Partnerschaft. Selbst dann bleibt der Eindruck von Nähe haften. Dies ist das erste persönliche Treffen der beiden im Kanzleramt – und es markiert einen Neuanfang.
Vor wenigen Wochen verabschiedete sich Merz in Kyjiw mit den Worten: „Ruf mich an… jederzeit.“ Unter Olaf Scholz hatte es über ein Jahr gedauert, bis Selenskyj überhaupt empfangen wurde – das Verhältnis war unterkühlt. Jetzt, an Tag 22 von Merz’ Amtszeit, scheint der Ton ein anderer: klarer, wärmer, verbindlicher.
Ein Hauch von Unsicherheit bleibt nach wie vor, denn Merz spricht von uneingeschränkter Unterstützung – doch ist oder wird die deutsche Ukrainepolitik unter ihm wirklich grundlegend anders?
Diese Frage bleibt.
Gerade auch wegen den gegenüber Deutschland schärfer werdenden Tönen aus Russland.