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Donnerstag, 21. Mai 2020

Übers Verurteilen und Richten anderer

"Richtet nicht, auf dass IHR nicht gerichtet werdet!"
So steht es in der Bibel; im Buch Matthäus Kapitel 7, Vers 1 - 6.
Selbst mit der Bibel weniger Vertraute kennen diesen Satz - doch wie wenig wird er beherzigt.

Oft entstehen Verurteilungen anderer, wenn wir mit uns selbst nicht im Reinen sind und in unserem Leben nicht mehr klar kommen. Oder wenn uns etwas Trauriges, Schlimmes passiert ist.
Dann suchen wir häufig nach Schuldigen und verurteilen diese dementsprechend.

Es gibt aber auch die notorischen Hetzer. Menschen, die über einen anderen wirklich alles wissen (oder zu wissen glauben ...), ohne überhaupt schon mal mit ihm gesprochen zu haben. Dies gipfelt nicht selten in Pauschalurteilen, wie sie sich in Bezug auf Asylbewerber, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose usw. immer wieder niederschlagen.

Eine hervorstechende Eigenschaft der Menschheit ist die Angewohnheit, stets "das Schlechte" anderer immer wieder in den Vordergrund zu stellen.
Die Fehler (oder was wir dafür halten) bleiben haften und sind unvergessen. "Das Gute" wird - wenn überhaupt! - eher nebensächlich erwähnt.

Wer einmal etwas falsch gemacht hat, verliert diesen Makel nie. Die Leute werden sich daran bestimmt immer erinnern.

"Wer im Glashaus sitzt ..."
... sollte nicht mit Steinen werfen, lautet ein altes Sprichwort. Doch in der alltäglichen Praxis passiert genau das.
Der Hauptauslöser dafür ist der Neid.

Wenn ein anderer ein Leben lebt, das wir uns insgeheim selbst einmal erträumt hatten, wird er schnell zum "Opfer" unserer Feindseligkeit.
Dies betrifft besonders diejenigen unter uns, die irgendwann irgendwo stehen oder stecken geblieben sind und nun desillusioniert in einer Traurigkeit versinken, die sich nicht selten in Aggression verwandelt - sie bemerken rasch den anderen, dem es ja so prächtig geht, ohne dass er dafür je einen Finger hätte rühren müssen.
Glauben wir zumindest.

Die schlimmste Waffe des Menschen ist seine Zunge!
Mit ihr kann er alles zerstören.
Inklusive sich selbst!

Ich habe zu diesem Thema einen interessanten Beitrag von Robert Betz auf YOU TUBE gefunden:

Wie oben schon gesagt kommt es auch vor, dass wir anderen die Schuld geben, wenn in unserem Leben Trauriges geschieht.
Das häufigste Beispiel hierfür sind (evtl. sogar traumatische!) Erlebnisse aus der Kindheit, aus unserer Jugend.
"Ja, wenn sich meine Eltern anders verhalten hätten, wäre ich ein glücklicherer Mensch geworden."
Besonders oft tritt dieser Gedanke bei sog. "Scheidungskindern" auf.

Natürlich ist es prägend für uns, in welchem Umfeld wir aufgewachsen sind. Und als Kinder sind wir noch gar nicht in der Lage, irgend etwas analysieren oder überhaupt nur erklären zu können.
Meist mündet es in der Annahme - die wir für eine Feststellung halten -, dass uns unsere Eltern wahrscheinlich nicht geliebt haben ...
... sonst hätten sie sich ja anders verhalten!

Somit haben wir nicht nur unsere Eltern verurteilt (was schlimm genug ist!), sondern haben auch unsere eigene Verantwortung für unser eigenes Leben abgegeben.
Denn jetzt tragen die Eltern die Schuld an unserem Pech, unseren Misserfolgen, unserem Kummer - nicht wir.
Praktisch, oder?
Doch auch Eltern sind keine Götter, sondern genauso "fehlbar" wie wir alle.

Ob wir nun also Eltern, Chefs, Asylbewerber oder die unmöglich frisierte Nachbarin verurteilen - es läuft (abgesehen von der Tragweite natürlich) auf dasselbe hinaus:
Wir lenken uns von uns selbst ab.
Wir geben unsere Eigenverantwortung in die Hände anderer.
Denn warum sollten wir an uns etwas ändern, wenn doch ausschließlich die anderen unser Schicksal bestimmen?

Ich habe mal von einem interessanten Versuch zum Thema: "Wie mache ich mir das Leben leichter?" gehört.
Alle Teilnehmer mussten sich auf die Person konzentrieren, gegen die sie den stärksten Groll hegten.
Und dann sollten sie ausschließlich positive Eigenschaften dieses Menschen notieren oder angenehme Erlebnisse, die sie vielleicht schon mal mit der Person gehabt hatten.
Anfangs waren einige Versuchsteilnehmer nicht nur erstaunt, sondern sogar entrüstet über die Aufgabe: "Was? Über die/ den soll ich was Angenehmes sagen?"

Trotz starker innerer Abneigung konnte tatsächlich jede/r irgendetwas Nettes über die verachtete oder sogar verhasste Person schreiben.
Der erstaunliche Effekt:
Der Groll und der Hass ließen nach, wurden milder.
Die Probanden fühlten sich wohler- sie waren von unsichtbarem Druck befreit und atmeten leichter.

Meistens ist es den Leuten, gegen die wir einen Groll hegen, sowieso egal, was wir von ihnen denken. 
Wir schaden also uns - nicht ihnen!

Natürlich müssen wir sie nicht lieben. Es wird sowieso immer wieder Menschen geben, die negative Empfindungen in uns auslösen.

Doch durch das Loslassen von Hassgefühlen wird unser Leben um einiges reicher, schöner - und einfacher.

Menschen zu verurteilen ist sowieso nicht unsere Aufgabe.
Das macht ein anderer.


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