Überall wird dazu aufgerufen, im zwischenmenschlichen Bereich doch einfach mal freundlich aufeinander zu zu gehen und ein respektvolles Miteinander zu pflegen.
Und es gibt sie tatsächlich: Von Natur aus freundliche Menschen. Leute, die ihren evtl. Frust, ihre Enttäuschungen und ihren Kummer nicht über andere kompensieren und ihre schlechte Laune nicht an anderen auslassen.
Doch es werden immer weniger.
Der stets freundliche, höfliche Mensch gilt nämlich als schwach.
"Mit der/ dem kann man's ja machen!"
Dabei wird den meisten derer, die da so eilig urteilen, ihr abwertendes Verhalten noch nicht einmal bewusst.
Es ist ein automatischer Prozess - der nicht zuletzt daraus tendiert, dass man vor freundlichen Menschen ja auch schließlich keine Angst haben muss.
Denn sollten sie sich ausnahmsweise doch einmal wehren, dann tun sie es - freundlich.
Vielleicht dämmert es den anderen mal, wie verletzend und kränkend ihr Verhalten überhaupt ist.
Eventuell kommt dann:
"... Entschuldigung, war nicht so gemeint ..." -
und alles ist wieder gut!
Denn der geduldige, freundliche Gegenpart verzeiht ja sowieso - wie er es schon hundert Mal gemacht hat und auch weiterhin tun wird.
Ergebnis:
Irgendwann verliert selbst der geduldigste Mensch die Lust an seiner Freundlichkeit.
Ein netter Zeitgenosse (nein - "nett" ist nicht die kleine Schwester von Sch...e!!!) wird häufig als "devot" eingeordnet.
Sein häufiges Lächeln wird als Ausdruck von Hilflosigkeit oder sogar als Zeichen von Dummheit gewertet.
Doch er wehrt sich deshalb nicht, weil er immer für alles und für jeden Verständnis zeigt - und nicht, weil er etwa zu blöde oder zu schwach wäre.
Ganz im Gegenteil erfordert es sogar besondere Stärke, auch bei direkten oder indirekten Anfeindungen/ Angriffen ruhig, freundlich und gelassen zu bleiben.
"Wehre Dich doch mal!"
Natürlich!
Aber das ist leichter gesagt als getan ...
... nicht, weil der freundliche Mensch etwa zu devot oder gar ängstlich wäre, sondern weil er einfach keine Lust auf Konflikte verspürt.
Und schon wird er dann gleich wieder als "konfliktscheu" und "feige" eingestuft.
Doch zur Freundlichkeit gehört auch Ehrlichkeit.
Ein einfaches Statement getreu dem Motto: "Bis hierher und nicht weiter - behandle mich bitte so, wie auch DU behandelt werden möchtest!" kann bereits genügen.
Denn das Aufzeigen von Grenzen ist in jeder Beziehung - egal ob Partner, Freunde, Verwandte, Bekannte, Vorgesetzte usw. - unverzichtbar.
Wer immer nur tolerant, verständnisvoll, geduldig und zu freundlich ist, verleiht den anderen Macht über sich und gibt sein Ego sowie die Gewalt über sein eigenes Leben aus der Hand.
Die eigenen Minderwertigkeitskomplexe über das Abwerten anderer Personen kompensieren zu wollen, zeugt von charakterlichen Mängeln oder aber von psychisch-seelischen Problemen.
Harmonie entsteht durch gegenseitigen Respekt.